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chopstick express / PA

November 25, 2008

November 25, 2008

Gestern war ein schwarzer Tag, denn sonntags – wie ich zu meiner großen Enttäuschung feststellen mußte – ist Chopstick Express nicht geöffnet.

Chopstick Express – dieser magische Ort, der mich seit meiner Rückkehr in die nordamerikanische Steppe in seinen Bann gezogen hat.  Auf den ich mich gestern schon nachmittags, beim Frieren draußen aufm Pferd, gefreut hatte.  Den ich Freunden gegenüber seither zu jeder Tages- und Nachtzeit erwähne – völlig egal, obs grade zum Thema paßt oder nicht.

Ein winziger Laden in der College Avenue, eine der beiden “Hauptstraßen” in der “Innenstadt”, an dem ich sicher schon 1.000 Mal vorbeigelaufen bin, ohne ihn eines zweiten Blickes zu würdigen.  Der von draußen aussieht wie der billigste Ami-Chinese, den man sich vorstellen kann.  Der eine Lunch-Kombo für $3,99 anbietet:  2 Gerichte plus Reis plus Getränk.

Nie hätte ich hier einen Fuß reingesetzt, wenn… tja, wenn wir nicht in der glücklichen Lage wären, einen guten (chinesischen) Freund zu haben, der uns, als er noch in New York wohnte, schon oft den Weg in himmlische Dim Sum-Hallen in Chinatown gewiesen hatte.  Dr. Ng hatte aber unfaßbarerweise den Laden selbst erst vor Kurzem entdeckt.  Es gibt ihn zwar schon seit über 10 Jahren, anscheinend aber unter relativ neuer Führung.  Der chinesische Name des Restaurants soll auch irgendwas mit “Drache” sein, das muß ich aber noch in Erfahrung bringen.

Ca. 10 Plaste-Tische und -stühle stehen in dem kleinen Lokal, vorne ist eine Theke, an der mittags das heiße Buffet für die hauptsächlich studentische Kundschaft besteht.  Abends sieht man hier fast ausschließlich Chinesen.

Die Karte hat zwei Seiten – eine mit den hier gängigen, sprich amerikanisierten Gerichten wie General Tso, Kung Pao Chicken, oder Lo Mein (die ich aus deutschen Chinarestos z. B. überhaupt nicht kenne), auf der anderen Seite finden sich die vielen Gründe, deretwegen ich mindestens einmal die Woche hier essen muß.

Die Inhaber stammen aus der Provinz Sichuan und bieten daher eine große Anzahl scharfer Gerichte (heißa) an.

Die Namen — wie z. B. “Sliced pork with minced garlic”, oder “Sliced fish in fresh pepper” regen nun nicht gerade die Phantasie an, daher war es praktisch, Dr. Ng bei unserem Erstbesuch dabei zu haben, der freundlicherweise auch die Bestellung übernahm.

Die Vorspeise, das bereits erwähnte Schweinefleisch mit Knoblauch, entpuppte sich als hauchdünn geschnittene Scheiben mit sowohl knusprigem als auch frischem gehackten Knoblauch & Chili-Öl bedeckt, serviert auf eingelegten Gurkenscheiben.  Ein Traum.  Ähnliches habe ich im Le Lamian probiert, dort fand ich es aber nicht annähernd so unvergesslich.

Der “Sliced fish in fresh pepper” wird in einem Hotpot gereicht, also einer heißen, aromatischen und *sehr* öligen Garflüssigkeit, deren Hauptaufgabe das Garen & aromatisieren ist, zum löffelweisen Verzehr ist sie nur bedingt geeignet.  Es ist eben keine Brühe.  Wenn man diese Flüssigkeit aber mit nach Hause nimmt, kann man am nächsten Tag chinesische Nudeln kochen & sie in ebendiese Wieder-Erhitzte hineinwerfen und sie danach hinausschlürfen.

Auf mein Bitten hin hatten wir auch eine Portion Ma Po Tofu, die hinreißend war.  Das Aroma Village in Berlin bietet dieses Gericht ebenfalls ziemlich authentisch zubereitet an, ich kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen.  Um Mißverständnissen vorzubeugen:  es handelt sich hier keineswegs um ein vegetarisches Gericht;  der gedämpfte Tofu wird mit gehacktem Rind- oder Schweinefleisch serviert, hinzu kommen Schluppen, Ingwer und Chilis.  Für den besonderen Kick und einmaligen Geschmack sind die Sichuan-Pfefferkörner verantwortlich, die eine betäubende Wirkung auf Zunge, Zahnfleisch und Lippen haben können.  Keine Angst, das geht vorbei und schmeckt einfach wunderbar.

Hinzu kam noch ein recht scharfes Gericht mit Huhn & einer geisteskranken Anzahl getrockneter Chilischoten sowie grüne Bohnen aus dem Wok – auch diese wieder nicht rein vegetarisch, da mit kurz angebratenem Schweinehack serviert.

Während ich hier schreibe, läuft mir schon wieder das Wasser im Munde zusammen.  In ca. einer halben Stunde werde ich unsere Bestellung für heute abend abgeben, um diesmal 3 neue Gerichte zu probieren.

Die Kombination “sehr scharf & viel Öl” hat zugegebenermaßen bisweilen unangenehme Nebenwirkungen.  Vielleicht legt sich das mit der Zeit, bis dahin kann mich allerdings auch das nicht davon abhalten, denn ich bin regelrecht süchtig nach Chopstick Express… vielleicht ist Heroin mit drin :-D

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bier’s curry & spieße / mitte

September 23, 2008

September 23, 2008

Ich habe für einen meiner persönlichen Lieblingsbeiträge auf der Bewertungsplattform qype – nämlich dem zu der völlig überhypten und grottenschlechten Altfettbude Curry 36 – eine beachtliche Anzahl von Kommentaren / geistige Prügel ‘-) erhalten, in denen alles mögliche in Frage gestellt wurde, u. a.

– meine grundsätzliche Qualifikation als Currywurst-Beurteilerin,

– das Vorhandensein von Geschmacksknospen,

– mein persönlicher Schreibstil (dies zudem von jemandem, dessen Texte sich hauptsächlich aus buchstaben-fremden Zeichen zusammensetzen –>> <<–  usw.)

Wie oft ich mich deswegen in den Schlaf geweint habe, kann ich hier gar nicht öffentlich zugeben :-D

Wohl aber möchte ich von einer Currywurst-Epiphanie berichten, die ich gestern durchlebte.  Natürlich war es nicht meine Idee, die Fettbude unterm S-Bahnhof Friedrichstraße zu betreten.  Ich bin schließlich wurst-o-phob!!

Bin ich nun für alle Zeiten bekehrt?  Kann ich noch nicht so recht sagen.

WAS ich allerdings auf jeden Fall sagen kann:  die Currywurst ist große Klasse = Wurst schmeckt wurstig & war zum Teil sogar knusprig angebraten (!!!!), Ketchup tomatig, Currypulver currpulverig – und dazu gabs noch eine ordentlich scharfe Sauce.  Chön charf.

Ich war mir selbst ganz fremd, als ich nicht nur ein oder zwei Bissen probierte, sondern noch 3 weitere hinterherschob.  Es schmock tatsächlich ‘nach mehr’.

Da sieht mans mal wieder:  das Leben, auch das vermeintlich kulinarsch aufgeklärte, bietet einem immer wieder Überraschungen – an Orten, wo man diese am wenigsten vermutet.  Wie schön.