Posts Tagged ‘lahmer service’

bandol / mitte

October 6, 2008

October 06, 2009

Dieses von allen Seiten hochgepriesene Lokal wollten wir auch endlich mal kennenlernen – ein Anlaß war schnell gefunden & ein Tisch für die Spätschicht an einem Dienstag reserviert.

Zunächst rannten wir prompt am Laden vorbei, weil eine interessante Seilkonstruktion am Haus auf der gegenüberliegenen Seite unseren Blick im entscheidenden Moment abgelenkt hatte… am Rosenthaler Platz hieß es daher also wieder zurück das Ganze.

Die Front des Lokals mit Plaste-Vorhängen erinnert stark an New Yorker Delis – bis auf die fehlenden Zeitungen, Blumen und Früchte.  Stattdessen frieren, essen und trinken hier die Raucher unter Heizpilzen (sind die nicht verboten mittlerweile?).

Drinnen befinden sich Gastraum und offene Küche.   Die klapprige Angelina Jolie kann man sich hier schon eher vorstellen als Brad Pitt, denn der Gastraum ist ziemlich klein & die Tische eng gestellt.  Andererseits müßte sie ja dann hier essen, was sich negativ auf ihre anämischen Reize auswirken würde.

Dem Kommentar, ländliche Küche käme hier besonders “leicht” daher, kann ich mich nämlich nicht wirklich anschließen.

Ich hatte als einzige am Tisch eine Vorspeise geordert, Weinbergschnecken mit Kalbskopf und Haselnüssen.  Die Popecken hatte man schon obdachlos gemacht und so schwammen sie fröhlich in sehr viel Kräuterbutter, nebst besagten Kalbskopfwürfeln (die hauptsächlich aus Fett bestanden) und den Nüssen.  Es schmeckte gut, war aber so mächtig, daß mir meine 4 Begleiter zur Hand (zum Mund?) gehen mußten, ansonsten hätte ich mir das Hauptgericht schenken können.

Andererseits dauerte es immerhin geschlagene 1.5 Stunden, bis die Hauptgerichte auf dem Tisch standen – eine lange Zeit, wenn man keine Vorpeise bestellt hat.

Die Hauptgerichte waren allesamt gelungen – das Entrecôte & das Kalbsrückensteak sehr saftig und zart, die Gemüse mit Biß;  die Kalbsnieren vielleicht ein bißchen sehr medium-rare;  mein Hirschkalb = Brust gebraten, Keule geschmort auf zweierlei von der Petersilienwurzel wunderbar.  Man geht allerdings recht freizügig mit Butter um, aber vielleicht gehört das in der modernen französischen Küche neuerdings wieder so…  für Nachtisch war jedenfalls beim besten Willen kein Platz.

Der erste Wein war ein Pinot Noir aus dem Elsaß, der zweite ein Côte du Rhones, beide ausgesprochen preiswert und eine gute Wahl; den zweiten Wein zu bestellen gestaltete sich leider etwas schwierig, womit ich auch zu einem wichtigen  (Kritik-)punkt komme – dem Service.

In einem solch zwergenhaften Raum minutenlang Augenkontakt mit der Kellnerin suchen zu müssen, die sich gerade glänzend mit dem gläserpolierenden… Gläserpolierer unterhält – der uns sehr wohl sah, aber fröhlich ignorierte –, oder den Köchen bei ihrer Arbeit zusieht, nervt einfach nur.

Ich bin schließlich selbst aufgestanden, habe die Weinkarte an den Tisch geholt & irgendwann kam dann auch die Kellnerin.

Außerdem will sich mir die Preispolitik bei den Vorspeisen nicht so recht erschließen – ein gemischter Salat mit Ziegenkäse kostet 12,50 Euro?  Genau soviel wie ein halbes Dutzend Austern?  Strange.

Trotz solidem Essen gibts für die Attitüde 2 Punkte Abzug.

massai / sch’berg

September 17, 2008

September 17, 2009

Der Service ist hier nicht der schnellste, das ist wohl wahr. Wer allerdings länger als eine Stunde auf sein Essen wartet, hat m. E. selbst schuld. Das ist für mich nicht einmal in der Sterne-Gastronomie akzeptabel.

Ich hatte Besuch aus dem ländlichen Pennsylvania, der sich nach ethnischer Küche sehnte, und so suchten wir das Massai auf.

Bier mit Fruchtgeschmack geht gar nicht, dann lieber gleich ne Apfelschorle.

Linsensuppe vorweg war ok, ich hatte zwar nicht erwartet, daß die Linsen püriert wären, schmeckte aber.

Ich hatte große Schwierigkeiten, mich für ein Hauptgericht zu entscheiden, wo doch Exoten wie Springbock, Krokodil, Strauss & Zebra angeboten wurden (wobei Zebra für mich nicht in Frage kommt: zu pferdeähnlich & dafür bin ich zu lange geritten ;-)

Krokodil hatte ich schon mal in Florida als frittierte Batzen, die an recht fettes Schweinefleisch erinnerten.. mußte also auch nicht sein.

Der Springbock lächelte mich an, sprang mir quasi aus der Karte entgegen –trotzdem entschied ich mich für ein Lammgericht, das von der Zubereitung her landestypisch(er) klang. Billiger wars auch :-D

Die vegetarische Platte mit dem schönen Namen “Mama Afrika” beinhaltete eine sehr leckere Shakazulu-Suppe mit Kokosmilch, die wesentlich komplexer und damit interesssanter als die bereits erwähnte Linsensuppe war.

Desweiteren fand sich auf der üppigen Platte allerlei leckere Gemüse – Spinat, Linsen, Okra, Bohnen, etc., die Vegetarierinnen waren jedenfalls begeistert.

Vor dem Hauptgericht gab es für jeden ein kleines Tellerchen mit Salat – Möhren, Rettich, Gurke, der mit einem milden Erdnußdressing angemacht war. Mir fehlte hier Salz, welches auch nicht auf dem Tisch stand… ich habe mich aber schon an anderer Stelle als salinophil geoutet, vielleicht liegts an mir.

Mein Lammgericht war lecker, aber nicht spektakulär. Die Einrichtung ist nett & nicht mit Ethnokitsch überladen.

Der Service ist, wie eingangs erwähnt, etwas lahm, dafür aber freundlich.

Kann man, muß aber nicht.

Stichworte krokodil, zebra, elefant, giraffe, usw., springbock, äffchen

e.t.a. hoffmann / xberg

July 23, 2008

July 23, 2008

Hochzeitstag im ETA Hoffmann, erster Besuch nach vielen Empfehlungen.

Ich entschied mich für das Abendmenü, mein Mann stellte sich sein 4-Gang-Menü selbst zusammen.

Als Aperitif gabs Prosecco mit Holundersyrup & Berliner Pilsener respektive, für die weitere Getränkeversorung hatten wir einen halben Liter Pinot Blanc von der Nahe (mit wunderbarem Honigaroma), Flasche Wasser & für die Hauptgänge einen Zweigelt (vor)bestellt.

Als Gruß aus der Küche gabs eine recht milde Pfifferlingsülze mit Kräuterschmand, die Vorspeisen – Carpaccio vom Rinderfilet und Oktopus (mit Rucola.  was auch sonst?!?!) für mich, gebratener Tunfisch & Tunfischtartar mit Wasabicreme und Avocado für den Mann waren beide hervorragend, wobei der Tunfisch das eigentliche highlight des Abends war.  Nur auf einer Seite angebraten, die obere Seite roh, war er einfach ein Gedicht.

Mein Zwischengericht, auf der Haut gebratener Seesaibling auf Okraschoten mit Poweradengemüse (ein Stückchen Artischocke, und —- darf man an dieser Stelle mal fragen, wieso das seit einer Zeit Powerade genannt wird?  Artischocke  nicht trendy genug?  Rucola ist ja auch nur Rauke…) war ebenfalls wunderbar aromatisch;  die Jakobsmuscheln, von denen derer 3 am Nachbartisch serviert worden waren, kamen interessanterweise bei uns nur zu zweit an & hätten etwas sparsameren Umgang mit dem Meersalz verdient, der glacierte Römersalat mit Schnittlauchöl war allerdings ausgesprochen schmecki.

Leider war unser Kellner die meiste Zeit des Abends schwer zu bekommen – er schien mit den ca. 5 anderen Tischen (!) etwas überfordert, so  daß ich den hinter mir befindlichen Pinot letztlich selbst eingießen mußte.  Auch den Zweigelt brachte er etwas verspätet,  was mit einem launigen “na, da hab ich ja grade noch Glück gehabt, daß der Hauptgang noch nicht da ist” kommentiert wurde.  Das fanden wir allerdings auch.  Entweder muß die Küche langsamer arbeiten oder der Kellner sich dem Speisenrhythmus besser anpassen…

Mein Hauptgericht – Kalbsrücken auf Entenstopfleberschaum (geschmacklich eher schaumig als stopfleberig) mit Pfifferlingen und Wirsing-Gröstel war gut, obwohl das Kalb an wenigen Stellen mehr als ‘rare’ war; da ich aber so gut wie nie Kalb esse, soll das vielleicht so sein?

Auch der irische Lammrücken meines Mannes kam so daher, daß das Lamm fast noch selbst auf den Teller hätte springen können.

Zum Nachtisch gabs dann noch Pfirsichtopfenstrudel mit Pfirsich und Rosmarineis & eine Käseplatte mit 5 verschiedenen Käsen – wir hatten die kräftigere Variante gewählt.  Jungejunge.  Da waren 2 dabei (Name leider entfallen, aber der Kellner hat die Namen leider auch etwas runtergenuschelt), die möchte man ganz bestimmt nicht im eigenen Kühlschrank unterbringen.  Apropos Kühlschrank – der ganze Käse war zu kalt.  Käse sollte mit Zimmertemperatur serviert werden, der Reblochon war ob seiner Kälte quasi geschmacksfrei.

Nachdem wir die Nachfrage bzgl. Espresso, Kaffee o. ä. verneint hatten, verschwand der Kellner.  Er mußte sich um einen Tisch gegenüber kümmern, der anscheinend aus Stammgästen bestand, die eine Digestiv-Verkostung bekamen…

Erst nach mehrmaligem Räuspern und “EntSCHULdigung??”-Rufen bekamen wir die Rechnung, auch mit dieser wurden wir unnötig lange sitzengelassen.

Das Fazit für diesen Abend ist daher nicht so einfach —

Essen = 5 Sterne, keine Frage.  Am Service kann aber noch so einiges verbessert werden, wenn die Gäste nicht verärgert nach Hause gehen sollen.