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bunte tierwelt in mitte / ein hase saß im tiefen touri-tal…

September 9, 2012

… und fragte sich, ob es tatsächlich möglich ist, auf der oranienburger strasse gut zu essen – dort, wo der großteil des gastronomischen angebots in der ungünstigen kombination schlecht & teuer daherkommt, was bei touristen natürlich prima klappt, die kommen ja sowieso nie wieder.

wer in berlin wohnt, vermeidet die oranienburger normalerweise. nur in notfällen (z. b.  bei besuch) läuft man ingottesnamen von der friedrichstrasse zum hackeschen und wieder zurück und wundert sich, wie all diese völlig austauschbaren buden nur so brummen, während man sich im slalom die mirchi-amrit-kellner vom leibe hält…

an der ecke krausnickstrasse, ausgerechnet gegenüber dem indischen restaurant, das hauptsächlich mit billig-pizza (!) wirbt, verspricht eine große tafel auf dem bürgersteig deutsche tapas. 

am eingang des im souterrain gelegenen restaurants hängt die speisekarte: eine lose-blätter-sammlung mit allerlei verlockenden leckereien, die mich überzeugte, einige tage später wiederzukehren. ich habe dies nicht eine sekunde bereut.

es gibt hausgemachte limonaden (fichtennadel z. B.), tegernseer helles vom fass und eine kleine weinauswahl.

die karte ist übersichtlich, es gibt salat und suppe, einige beilagen und eben „tapas“. kleine, feine (aber dabei keineswegs mickrige) portionen, die alle unter 7 € liegen, sich gut teilen lassen & vor allem wirklich großartig schmecken. man möchte das klischee „mit liebe gemacht“ bemühen – nicht zuletzt auch wegen des sehr engagierten und freundlichen services.

der backfisch vom steinbeißer auf rahmgurken und kürbiskernen ist perfekt: außen knusprig, innen saftig – die rahmgurken mit einem hauch kürbiskernöl verfeinert.

bandnudeln mit geräuchertem pilzrahm hatten tatsächlich eine rauchnote im sößchen,

die rehkeule mit balsamico-kirschen und pfifferlingen war zart & medium-rare,

das blutwursttörtchen mit sauerkraut ist zum hineinsetzen gut, insbesondere kombiniert mit einem wunderbaren kartoffelpü.

es macht spaß, sich durch die karte zu kosten, wir fingen zu zweit mit 4 tellern an & teilten uns dann noch einen fünften – das sagenhafte blutwursttörtchen.

draußen lässt sich hübsch das treiben der touristenhorden beobachten, drinnen im souterrain ist es auch nett, die musikauswahl kann zuweilen erheitern.

zum schwarzen hasen             krausnickstr. 1        10115 berlin

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bunte tierwelt in mitte: die schicke miez im kiez

July 24, 2012

das katz orange bietet laut eigener website saisonale küche mit internationalen einflüssen aus regionalen zutaten & humaner tierhaltung. das ist kein besonders neues konzept, auch die optik des durch die bank jungen, hippen service-personals ist einem aus anderen restaurants in mitte durchaus geläufig.

es gibt gute biere vom faß, eine kreative, wenn auch nicht in jedem fall überzeugende cocktail- und weinkarte sowie – man lese und staune – auf wunsch zur begleitung der georderten alkoholika karaffenweise Leitungswasser… ohne, dass auch nur mit einer wimper gezuckt wird.

was das kätzchen wirklich gut kann: hervorragend gut kochen. das liegt sicher auch daran, dass hier 2 ehemalige köche von tim raue am werk sind. der service ist darüber hinaus unglaublich freundlich und professionell.  meine absoluten favoriten, für die sich ein besuch jederzeit lohnt, befinden sich auf der regulären abendkarte:

fangen wir mit einer schnöden „beilage“ an: die pommes. jawoll, ich habs gesagt. hier wird die mutter aller pommes zubereitet – großartige, dicke batzen kartoffeliger wonne, die in gänseschmalz (bio, versteht sich!) frittiert werden und an knusprigkeit außen sowie fluffigkeit innen an nichts übertroffen werden, was jemals unter der bezeichnung „pommes“ meine lippen passiert hat.

die ausgesprochen üppig bemessene portion, die als beilage locker für 3 personen reicht, bekommt man für geschmeidige 6 €; dazu kann man eine auswahl hausgemachter saucen bestellen – hier fährt man mit der traditionellen rot/weiß combo sehr gut, der avocado-apfel-joghurt war nicht ganz so mein ding.

ein tatar vom freilandrind (16 €) ist ebenfalls so großzügig portioniert, dass es locker als hauptspeise durchgehen könnte – selbst als geteilte vorspeise sind die gut angemachten 200g unglaublich sättigend, auch der salat vom brandenburger feld läßt sich gut zu zweit als auftakt teilen.

der absolute renner allerdings ist das ab 2 personen bestellbare, 12 stunden lang geschmorte duroc schwein mit allerlei beilagen (saisonale salate, zitronen-knoblauch-joghurt, schmorfond, süss-saure zwiebeln, „carlo’s gemüse“ und maisbrot. tonnenweise brot.).

der braten kommt mit 2 gabeln auf den tisch, die mühelos das wunderbar zarte, saftige & aromatische fleisch zerteilen. bißchen schmorfond drüber, das zitronen-joghurt paßt prima zum gemüse, pommes dazu & ein feines maxlrainer helles vom faß – tja, und dann wird so richtig reingehauen. satt & wohlig verläßt man die katz und freut sich schon auf das nächste mal.

fleischerei / p’berg

June 23, 2009

June 22, 2009

im april dieses jahres öffnete die fleischerei auf der schönhauser allee ihre türen, direkt neben dem white trash.  seitdem hat die jeunesse der bezirke pberg & mitte nach dem rodeo und cookies & cream einen weiteren ober-hippen anlaufhafen, bei gehobener küche – irgendwann hat man immernurcurrywurst vorm feiern wohl satt – ihre berliner pony-frisuren (die damen) und endzwanziger-vollbärte sowie extrem schlecht sitzende jeans (die herren) vorzuführen.  zahlreiche vertreter dieser gattung waren auch am vergangenen samstagabend erschienen & hatten so gut wie alle tische besetzt.

der unbehandelte boden und die leicht angeramscht wirkenden decken des restaurants zeugen von der vergangenheit, als hier in der fleischerei epler allerlei wurstiges und fleischiges verkloppt wurde;  mit 2 fetten kristalllüstern, großen spiegeln und weißen tischen & bänken wurde der laden umgestylt und vermittelt mit einer halb-einsehbaren küche (auf unserer seite waren leider die jalousien heruntergelassen!?) den eindruck von gelassener transparenz.

leider transpirieren auch die sanitären einrichtungen ein wenig im hinteren bereich des restaurants, in dem sich unser tisch befand.  nach einer weile riecht man das nicht mehr – schade ist es trotzdem, beim essen wird man nicht gerne an die folgen desselben erinnert.

das thema wurst & fleisch wird übrigens nur teilweise weitergeführt, außer der rubrik “fleischereien” findet sich bei den vorspeisen und hauptgerichten auch viel grünes und meeresgetier.

unser kellner, ein junger mann in einer beeindruckend schlecht sitzenden hose brachte flugs speisekarte (eine für 4), flasche wasser und brot mit 3 töpfchen – senf-aufstrich, griebenschmalz, pesto (könnte petersilie gewesen sein).  diese waren alle vortrefflich und schnell verzehrt.  schon auf der im internet veröffentlichten speisekarte hatte mich das rinderfilet-tartar mit weissem sesam & schnittlauch, zuckerschoten, sesam-vinaigrette & erdbeeren im bierteig angelächelt;  dieses landete gleich bei dreien von uns auf dem teller.

und es war… hinreißend gut.  die fleischqualität fantastisch, die sesam-vinaigrette mit der leicht scharfen schnittlauch-note abgerundet wunderbar aromatisch, ohne das fleisch zu erschlagen,  die zuckerschoten waren knackig, die erdbeeren im bierteig waren… auf den ersten bissen ein wenig desserthaft.  alles miteinander kombiniert startete jedoch spontan eine regelrechte geschmacks-party im mund.  wir waren begeistert & voller neugier auf die hauptgänge.

leider fanden sowohl geschmacksparty als auch regelmäßige wein- und wasserversorgung ein viel zu frühes ende.

sowohl zur vorspeise als auch zu den hauptgängen hatten wir verschiedene weine von der relativ großen liste offener weine bestellt, einige auch auf empfehlung des jungen mannes, der allerdings innerhalb kurzer zeit von seinen etwa 5 weiteren tischen völlig überfordert war.  beim gang an die theke, die ich schließlich zwecks ‘wo-bleibt-der-wein’-nachforschung aufgesucht hatte, erfuhr ich dann vom besitzer, daß der junge mann heute den ersten abend im lokal arbeite.  muß man neues personal ausgerechnet an einem samstagabend einarbeiten?  bad idea, finde ich – zumal die beiden anderen service-kräfte den rest des ladens gut im griff zu haben schienen.

als hauptgericht wurden 3 gerichte aus der “fleischereien”-rubrik gewählt, von der ich nicht weiß, ob sie zur standardkarte gehört oder änderungen unterworfen ist.  in jedem fall war m. E. davon auszugehen, daß es sich hier um spezialitäten des gleichnamigen restaurants handeln würde.  ich entschied mich für berliner leber mit röstzwiebeln, apfelscheiben und knoblauchbrot, wobei ich allerdings darum bat, das knofi-brot durch kartoffelpü zu ersetzen.  knofi-brot!  mit berliner leber!!  wo kommwa denn da hin?  kein problem, meint der kellner.  darüberhinaus gabs himmel un ääd – das ist bloodwoosch met apfelkompott und kartoffelpü – für die, die’s nicht wissen sowie spanferkelbraten mit weissbiersoße an champagnerkraut & noch mehr ‘pü.

der vierte im bunde wählte von der hauptspeisen-karte gebratene rosmarin-wildtaube an himbeerjus mit basilikum-bauchspeck-risotto & sautierten chicoreestreifen. die taube hatte auch mich angelacht, aber nein, es mußte ja unbedingt leber sein.

die viel zu durch war.  leider.  nicht zäh wie schuhsohle, aber grau.  schade.  die röstzwiebeln waren röstzwiebelstroh, die äpfel pochiert & sehr aromatisch, das ‘pü in ordnung.  die leber nicht.  wenn der kellner innerhalb der nächsten 5-10 minuten in reichweite bzw. ansprechbar gewesen wäre, hätte ich sie vermutlich zurückgehen lassen;  so aber wollte ich den anderen dann auch nicht nur beim essen zuschauen und vernichtete sie dann – sie, die ich lieber innen rosig & zart genossen hätte.  ach ja.

die blutwurst war in ordnung, aber uninteressant;  der spanferkelbraten hätte die zeit, die die leber zuviel abbekommen hatte, mindestens gebraucht, um nicht mehr halb-roh zu sein, die kruste kriegt man anderswo auch durchaus knuspriger hin.

einzig die taube ließe sich noch hervorheben, obwohl hier das risotto wiederum länger im topf hätte verweilen dürfen.

die rechnung lag am ende bei 4 personen um die 200 euro, was trotz des hart erkämpften weinkonsums doch erheblich über dem lag, was mir der abend wert gewesen wäre.  auch, daß mir für das kartoffelpü 2.50 € extra berechnet wurden, fand ich ein bißchen schofel – wenn das die hauspolitik ist, wüßte ich das gerne vorher.

abschließend muß ich feststellen, daß es mich trotz des wahn.sin.nig hippen dekos und dem schicken publikum in der näheren zukunft nicht wieder herlocken wird.  soviel das transzendentale tatar auch verheißen hatte, so wenig konnte der rest des abend überzeugen.

sicher, man sollte ein restaurant nicht aufgrund eines einmaligen besuchs bewerten.  immerhin gibt es die fleischerei erst seit etwas über 2 monaten.  vielleicht spielt sich der service noch besser ein, hoffentlich gibt es auch in der küche in zukunft weniger schwankungen.

mitte meer / mitte

October 27, 2008

October 27, 2008

Das Mitte Meer in Mitte, also Nähe Hamburger Bahnhof, ist in der Tat für Uneingeweihte so gut wie gar nicht zu finden – auf der Kantstr. ist das schon einfacher, man muß quasi vom Zweitausendeins-Laden nur eine rechtslastigen U-Turn gehen & schon ist man drin.

Neben 1.000 verschiedenen Olivenkonserven und -gläser findet man allerlei Wurst & Käse sowie Frischfisch und diverse Spezialitäten hauptsächlich spanischer Provenienz.

Ich rollere dort mit schöner Regelmäßigkeit vorbei, um mich mit der unschlagbar preiswerten Kilo-Packung Tiefkühlgarnelen für schlappe 10 Euro einzudecken, die zwar nicht immer – wie auf der Packung behauptet – komplett geschält und vor allem entdärmt sind (eine Tätigkeit, die aus tiefstem Herzen hasse), mich aber über die grundsätzliche Unerschwinglichkeit von Meeresfrüchten in Deutschland hinwegtrösten können.

Gambas olé!

muschi obermaier / mitte

October 23, 2008

October 23, 2008

Nach einem langen, wie es schien schier endlosen Feuertopf im 5 Flavor marschierten wir rüber ins Muschi.

Ha.  Lustiger Name.  Und einfacher für ne Verabredung per SMS als “Wenn ick reich bin, koof ick mir usw. usf.” oder andere Berliner Hey-unsere-Bar-hat-den-originellsten-Namen-der-Republik-Vertreter.

Die Luft ist – ja, katastrophal.  Kann man nicht anders beschreiben.  Und es war erst kurz nach Mitternacht!  Da ist die Zielgruppe ja noch nicht einmal angezogen, gestylt oder vorgeglüht (ich als nur noch so Zwischendurch-Raucherin bemängele dies, zu anderen Zeiten wäre es mir vermutlich gar nicht weiter aufgefallen).  Zum Glück saßen wir direkt vorm Eingang in der Sitzgruppe, was die regelmäßige Sauerstoffversorgung ermöglichte.

Ich trank Augustiner Helles, Preis ist mir unbekannt, da ich eingeladen wurde.

Die Musik war klasse (ich erinnere mich nur an Vintage-Bowie gemischt mit anderen gefälligen Stücken), das Publikum nicht zu jung & unaufgeregt.

Trotzdem ertappte ich mich bei dem Gedanken “gähn, viel passiert hier aber auch nicht, oder?”

Ich habe sehr wohl an anderer Stelle kneipentechnisch schon in Nostalgie geschwelgt, aber der Reiz der Kneipe scheint sich meines Erachtens vorwiegend der/m Unverpaarten zu erschließen.  Jeder Abend die Verheißung, etwas Besonderes zu erleben.  Und – machen wir uns nichts vor – besonders wird der Abend doch erst, wenn man jemandem begegnet, der den Abend besonders macht, oder?  Sicher, gute Musik & Getränke sind auch nicht ohne, aber geht man deswegen vor die Tür?  Das kann man zuhause genauso gut, wenn nicht sogar besser & preiswerter haben.  Die Verpaarten wissen dies, trinken guten Wein bei guter Musik zuhause und gehen stattdessen gut essen :-D

Aber das (die?) Muschi hat schon was….

al contadino sotto le stelle / mitte

October 21, 2008

October 24, 2008

Das Contadino hatte ich bisher erst einmal besucht, vor ca. 9 Jahren.  Damals hatte der Besitzer auch noch das La Rustica nahe der S-Bahn Hackescher Markt, in dem ich seinerzeit anläßlich des spottbilligen Lunch-Buffet-Angebots meine erste und nach wie vor beste Caponata aß.

Der Besuch beim Bauern unter den Sternen fand zu einer Zeit statt, als die gemeinsame Zukunft mit meinem Mann noch in den Sternen stand – es waren kompliziertere Zeiten damals ‘-).  So verbrachte ich den Abend damit, unter den Sternen an der Decke in meine bestimmt sehr leckere Pasta zu heulen & hatte im Nachhinein wenig Erinnerungen an das Essen dort.

Da ich immer noch auf der Suche nach guten Italienern bin und mich an einem sonnigen Nachmittag zufällig in der Auguststraße befand, reservierte ich nach einem kurzen Blick auf die Karte einen Tisch für 4 für den nächsten Abend.

Stutzig machte mich die Dame am Telefon schon, als sie meinte, “sie glaube, sie habe noch einen Tisch für 4 Personen für 20 Uhr”.   Das glaubte ich ihr dann meinerseits und erschien um 20 Uhr, zusammen mit zweien meiner Mitstreiter, im Treppenhaus, das offenbar der Wintereingang für das Restaurant, gleichzeitig aber natürlich auch der Eingang für die anderen Bewohner ist.  Es war voll – Leute standen Schlange, die eine Reservierung hatten.  Tja, das haben wir wohl Brad Pitt und Quentin Tarantino zu verdanken.  Noch ein Grund, den Typen doof zu finden ‘-)

Um 20 nach 8 saßen wir dann zu dritt im rappelvollen Gastraum, bekamen auch gleich die Karte und eine Flasche Wasser.  Die Wein- und Speisekarten wollten erst noch studiert werden, im übrigen fehlte ja auch noch eine Dame.  Es gab, abgesehen vom Besitzer, in unserem Raum 3 Kellner.  Einer war nur sporadisch zu sehen, der zweite war offenbar hauptsächlich Sommelier mit beeindruckend frisierten Augenbrauen und einem Do-Rag – diese merkwürdige Kopfbedeckung kenne ich eigentlich nur aus den USA auf afro-amerikanischen Köpfen – der bei den einfachsten Weinen ein Riesen-Tamtam veranstaltete (so auch bei dem von uns bestellten Ciró Bianco Librandi, ein Wein, der leider bei meinem Lieblingsweinladen vergriffen ist), und ein dritter, der, wenn er nicht gerade Brot schnitt, mit Büßergang – also gesenkten Blickes – durch den Gastraum schritt und Brotkörbe ablieferte.

Kurz – die Aufmerksamkeit eines dieser Geschöpfe zu erregen, gestaltete sich als anstrengend & nahm einen Großteil des Abends ein.  Die Brotzufuhr war allerdings stetig, was bei den Wartezeiten auch von Nöten war, und gut – das selbstgebackene Brot dort ist wirklich klasse.

Zu viert teilten wir uns dann einen Vorspeisenteller für 2, auf dem sich selbstverständlich die gute Caponata befand, darüberhinaus ein sehr leckerer Tintenfisch-Weiße Bohnen-Salat, getr. Tomaten, Oliven, Käse und Schinken.  Für nur zwei Personen wäre das eine recht üppige Portion gewesen, kostet allerdings auch 22 Euro.

Bei der Pasta hatte ich furchtbare Entscheidungsschwierigkeiten, zum Glück wählten wir aber alle verschiedene Paste.  Es gibt ja fast nix Schlimmeres, als wenn man mit 3 Leuten Essen geht und alle bestellen das Gleiche.

Die Hauptgerichte wurden jedenfalls flugs um 22:30 Uhr serviert.

Ravioli mit Kürbis und Fruchtsenf gefüllt in einer Parmesan-Buttersauce waren weniger süßlich, als angenommen.  Die Basilikum-Lasagne mit Auberginen und geräuchertem Provolone war sehr gut, allerdings war der Provolone *sehr* intensiv, von Basilikum konnte man daher nicht viel schmecken.  Die dritte im Bunde hatte hausgemachte Kresse-Nudeln in weißer Bohnencrème mit Tintenfisch und Muscheln, einer meiner persönlichen Favoriten, den ich auch bestellt hätte, wenn, ja wenn ich nicht die Thymiannudeln mit Scampi und Steinpilzen genommen hätte.  Die OK waren.  Ein bißchen zu ölig.  Die Steinpilze vielleicht ein bißchen zu verkocht.  Und Pasta mit Scampi mache ich einfach zu oft selbst, um hier beeindruckt gewesen zu sein.

Fazit – die Suche geht weiter….

mâ tim raue / mitte

October 20, 2008

October 20, 2008

Ja, das Mâ.  Der derzeitige Kulttempel Berliner Haute Cuisine:  aufregend, extravagant, spannend, avantgardistisch, kreativ, kompromisslos… usw. usw. – die Restaurantkritiken überschlagen sich mit Superlativen.  Da mußte ich hin.

Mit zwei weiteren Gourmets fand ich mich dort daher anläßlich eines Geburtstages ein. So ganz ohne Anlaß ist das für eine arme Freiberuflerin (eine Runde Mitleid, bitte!!) leider nicht vertretbar.

Ich saß auf der großzügigen, ja, calmundesk bemessenen Bank, die bequemer und kuscheliger nicht hätte sein können.  ‘Hier steh ich nie wieder auf’, dachte ich noch.

Dann kam auch schon die Karte, aus der wir übereinstimmend die “Aroma Revolution” (gegen wen revoltieren die Aromen hier eigentlich genau?) wählten.

À la carte hätte man auch das New Zealand Diamond Label Wagyu Beef für schlappe 88 Euro nehmen können.  Nein, dafür bekommt man nicht die ganze Kuh, auch nicht die halbe :-D

Als Wein wählten wir einen wunderbaren, eigens für das Mâ kreierten Riesling Cuvée, der so honig-blumig mundete, daß hiervon eine weitere Flasche geordert wurde.

Sodann wurden kleine Schälchen mit diversen Knabbereien – Lotus-Chips mit Kräuterdip, Cashews mit Ahornsirup und Curry, Rettichscheiben in japanischem Senf eingelegt sowie ein ziemlich nichtssagendes Schälchen mit grünem Salat.

Die Grüße aus der Küche waren zunächst ein sehr schmackhaftes, ingwer-intensives Kürbissüppchen mit Paprika, Koriander und chinesischer Salami (letztere hervorragend!), zum anderen ein Würfelchen Kalbstartar in Aspik aus Borgmann-Kräuterlikör mit Heringskaviar.  Mit einem Happ war dieses Häppchen verschwunden.

Den ersten Gang, Kaisergranat mit Kroepoek-Panade, Grapefruit und Koriandercrème, fand ich insofern unbefriedigend, als die vom Service als “knusprig” angekündigte Panade alles andere als knusprig war – schade, da geschmacklich eine durchaus gelungene Kombination.

Als nächstes folgte Kabeljau im Tonic-Sud mit Algen und Gurke.  Obwohl Kabeljau doch einen recht kräftigen Geschmack hat, wurde dieser leider vom Tonic-Sud ziemlich überlagert.  Auch hätte der Kabeljau für mein Empfinden einen Tick länger im Niedrigtemperatur-Dampfgarbad umherschwimmen dürfen.  Ich bin zwar eine große Freundin von rohem Fisch, aber hier wollte das Halbgare nicht so recht funktionieren.

Der dritte Gang, Geräucherter Aal auf Korianderpüree mit Muskatapfel war einfach großartig.  Man sollte allerdings Koriander mögen – ich kenne eigentlich nur Leute, die das Kraut entweder lieben oder hassen –, da es hier doch eine recht prominente Rolle einnimmt.  Im Nachhinein erfuhren wir vom Service, daß wohl auch Trüffel an/auf dem Aal war, den hat man aber beim besten Willen nicht geschmeckt, was mich ehrlich wundert.  Intensivere Aromen als beim Trüffel findet man eher selten…

Das Ragout von Entenbrust, -zunge und -herz mit roter Bete, Fenchelkraut, Estragon und Crème Fraîche war wiederum sagenhaft.

Tja, und dann war ich eigentlich auch schon satt, sehr zum Erstaunen meiner Mitesser.  Ja, vier Gänge sind eigentlich nicht viel & möglicherweise bin ich ein wenig aus der Übung, was kulinarische Exzesse angeht, mag alles sein.

Trotzdem war es schade um das nun gereichte Diamond Label Wagyu Beef, von dem 5 leicht angebratene Scheiben auf einem Rotweinjus mit Zimt und Pfeffer zusammen mit Bohnen, Bohnensaft, Feige und Blaubeer serviert wurden.  Eine Scheibe trat ich einem meiner darob hocherfreuten Begleiter ab, die anderen aß ich langsam und bedächtig auf.  Ich hatte bisher nur Wagyu als Carpaccio gegessen & fand es in dieser Form hinreißend – just like butt-ah.  Es ist extrem marmoriert, was die zarte Konsistenz und den unvergleichlichen Geschmack ausmacht.  Dieser wurde wiederum von dem recht weihnachtlich anmutenden, da sehr schweren & süßen Rotweinjus leider ziemlich erschlagen.

Vor dem Dessert gab es…. ein Dessert:  ein sehr erfrischendes, saftiges Ananas-Eis am Stiel mit weißer Schokolade, Orangenpollen und Akazienhonig überzogen. Mmmmmm.

Und jetzt Trommelwirbel – einer unserer Kellner tritt andächtig mit einer schicken weißen Papp-Schachtel an den Tisch, räuspert sich und erklärt uns, daß es sich beim Inhalt um die Murahata-Melone handle, von derer pro Woche jeweils nur 999 Exemplare aus Japan exportiert werden, zum Stückpreis von 120 Euro.  Hossa.  Wäre ich ein ökologisch dogmatischerer oder auch sensiblerer Mensch, ein Walstreichler sozusagen, hätte ich jetzt ob der Erweiterung und Vertiefung meines “carbon footprints”  (alleine die Flugkosten – Melonen aus Japan!!  Rindfleisch aus Neuseeland!!!) eigentlich aus Verzweiflung in Ohnmacht fallen müssen.  So aber betrachteten wir die Melone, die aussah wie Melone halt so aussieht = rund, gelblich, … melonig eben, trotz allem mit großer Ehrfurcht.

Die Melone erschien dann – selbstverständlich nur einige Stücke – mit wunderbarer Orangenschokolade auf dem Tellerrand befestigt, in dessen Mitte sich ein überirdischer Pistaziensud mit Himbeeren befand.  Der Pistaziensud war wirklich nicht von dieser Welt.  Überhaupt auf die Idee zu kommen… toll, toll, toll.

Die Melone.  Tja, was soll ich sagen.  Die Melone schmeckte, wie Melone eben so schmeckt.  Nicht überirdisch, nicht besonders, und sicher nicht die beste Melone, die ich je gegessen habe.  Aber hunderprozentig die teuerste.

Im Großen und Ganzen war es ein spannender Abend.  Wer sich viel mit Essen beschäftigt – auch theoretisch –, wird hier auch intellektuell gefordert.  Es hat Spaß gemacht, die verschiedenen Gänge zu dritt ob ihrer Zusammenstellung und Zubereitung zu analysieren & zu diskutieren.  Das geht nicht mit vielen Leuten, zum Glück aber gibt es auch für meine Begleiter nichts Schöneres, als beim Essen übers Essen zu reden :-D

Ob ich das Mâ uneingeschränkt weiterempfehlen würde, weiß ich nicht genau.  Was der eine aufregend und spannend findet, ist für jemand anderen vielleicht anstrengend und ermüdend.

Auch ist für viele – und ich schließe mich da mit ein – die asiatische Küche vielleicht in den Köpfen noch nicht in der Haute Cuisine angekommen.  Für mich ist sie auch eher der Inbegriff von “Street Food”:  Nudelsuppenstände in Bangkok, Gar- und Grillstände in den Gassen Hongkongs, Mini-Schuppen mit Plastetischen, Plasteschüsseln, Plastestäbchen… und fantastischem Essen.

Möge Tim Raue uns weiterhin den Weg in die Erleuchtung zeigen – es macht ihm offensichtlich viel Spaß.

shochu bar / mitte

October 12, 2008

October 12, 2008

Hier fand ich mich kürzlich mit Freunden ein, um vor dem Geburtstags-Essen im Mâ den einen oder anderen Cocktail einzunehmen.

Die Inneneinrichtung ist wirklich wunderschön, in Gold-, Schwarz- und Brauntönen gehalten, edel und trés chic!  Die Hocker sind mit goldenem Einhornfell bezogen, zumindest sehen sie so aus.

Die Cocktailkarte fährt, wie die Restaurants Uma und Mâ, auf der asiatisch mehr als angehauchten Schiene; mit der mir bis dato unbekannten Spirituose Shochu werden die hauseigenen Spezialdrinks zubereitet.

Die genaue Zusammensetzug des Cocktails “Sayonara”, den ich aufgrund der wirklich interessanten Beschreibung in der Karte gewählt hatte – u. a. ‘salzig’ – habe ich nicht mehr ganz im Kopf, sehr wohl kann ich mich daran erinnern, daß sich obendrauf Eischaum mit weißem und schwarzem Sesam befand.

Ich erinnere mich deswegen so genau, weil mir nach den ersten zwei  “interessanten” Schlucken das Bouquet des Eischaum bzw. des Eiweiß dermaßen penetrant in die Nase stieg, daß ich den Drink nicht austrinken mochte, konnte, oder wollte.  Eine weitere Note tendierte Richtung “nasses Hundefell”.

Es dauerte dann doch eine ganze Weile, bis die Aufmerksamkeit der Kellnerin gewonnen war, dem Sayonara “Auf Wiedersehen” gesagt sowie ein Ersatzgetränk geordert werden konnte.  Dieses war dann zum Glück eine nicht ganz so außergewöhnliche bzw. gewöhnungsbedürftige Kreation.

Daß allerdings der minimal angetrunkene Nasse Hund später auf der Gesamtrechnung stand, fand ich dann doch recht merkwürdig.  Vielleicht müssen die armen Betreiber noch das güldene Einhornfell abbezahlen ‘-)

Zum Knabbern wird einem selbstverständlich nicht etwas so Profanes wie Nüsschen vorgesetzt, sondern Kim-Chi und Anchovis mit Sesam & Honig.  Beides durchaus salzig-ich-meine-natürlich-aromatisch genug, um dem Durst ein wenig auf die Sprünge zu helfen.  Beide Schüsselchen wurden mit einem etwas unpraktischen Holzzängchen serviert; da wir zu diesem Zeitpunkt nur zu zweit waren, bekam dann halt jeder eine.  Ob aber normalerweise erwartet wird, daß man sich eingelegten Kohl auf die Serviette legt und dann mit den Händen isst?  Strange.

bandol / mitte

October 6, 2008

October 06, 2009

Dieses von allen Seiten hochgepriesene Lokal wollten wir auch endlich mal kennenlernen – ein Anlaß war schnell gefunden & ein Tisch für die Spätschicht an einem Dienstag reserviert.

Zunächst rannten wir prompt am Laden vorbei, weil eine interessante Seilkonstruktion am Haus auf der gegenüberliegenen Seite unseren Blick im entscheidenden Moment abgelenkt hatte… am Rosenthaler Platz hieß es daher also wieder zurück das Ganze.

Die Front des Lokals mit Plaste-Vorhängen erinnert stark an New Yorker Delis – bis auf die fehlenden Zeitungen, Blumen und Früchte.  Stattdessen frieren, essen und trinken hier die Raucher unter Heizpilzen (sind die nicht verboten mittlerweile?).

Drinnen befinden sich Gastraum und offene Küche.   Die klapprige Angelina Jolie kann man sich hier schon eher vorstellen als Brad Pitt, denn der Gastraum ist ziemlich klein & die Tische eng gestellt.  Andererseits müßte sie ja dann hier essen, was sich negativ auf ihre anämischen Reize auswirken würde.

Dem Kommentar, ländliche Küche käme hier besonders “leicht” daher, kann ich mich nämlich nicht wirklich anschließen.

Ich hatte als einzige am Tisch eine Vorspeise geordert, Weinbergschnecken mit Kalbskopf und Haselnüssen.  Die Popecken hatte man schon obdachlos gemacht und so schwammen sie fröhlich in sehr viel Kräuterbutter, nebst besagten Kalbskopfwürfeln (die hauptsächlich aus Fett bestanden) und den Nüssen.  Es schmeckte gut, war aber so mächtig, daß mir meine 4 Begleiter zur Hand (zum Mund?) gehen mußten, ansonsten hätte ich mir das Hauptgericht schenken können.

Andererseits dauerte es immerhin geschlagene 1.5 Stunden, bis die Hauptgerichte auf dem Tisch standen – eine lange Zeit, wenn man keine Vorpeise bestellt hat.

Die Hauptgerichte waren allesamt gelungen – das Entrecôte & das Kalbsrückensteak sehr saftig und zart, die Gemüse mit Biß;  die Kalbsnieren vielleicht ein bißchen sehr medium-rare;  mein Hirschkalb = Brust gebraten, Keule geschmort auf zweierlei von der Petersilienwurzel wunderbar.  Man geht allerdings recht freizügig mit Butter um, aber vielleicht gehört das in der modernen französischen Küche neuerdings wieder so…  für Nachtisch war jedenfalls beim besten Willen kein Platz.

Der erste Wein war ein Pinot Noir aus dem Elsaß, der zweite ein Côte du Rhones, beide ausgesprochen preiswert und eine gute Wahl; den zweiten Wein zu bestellen gestaltete sich leider etwas schwierig, womit ich auch zu einem wichtigen  (Kritik-)punkt komme – dem Service.

In einem solch zwergenhaften Raum minutenlang Augenkontakt mit der Kellnerin suchen zu müssen, die sich gerade glänzend mit dem gläserpolierenden… Gläserpolierer unterhält – der uns sehr wohl sah, aber fröhlich ignorierte –, oder den Köchen bei ihrer Arbeit zusieht, nervt einfach nur.

Ich bin schließlich selbst aufgestanden, habe die Weinkarte an den Tisch geholt & irgendwann kam dann auch die Kellnerin.

Außerdem will sich mir die Preispolitik bei den Vorspeisen nicht so recht erschließen – ein gemischter Salat mit Ziegenkäse kostet 12,50 Euro?  Genau soviel wie ein halbes Dutzend Austern?  Strange.

Trotz solidem Essen gibts für die Attitüde 2 Punkte Abzug.

kantine im BE / mitte

October 2, 2008

October 02, 2008

Wenn man nach dem Theaterbesuch noch Speis’ und Trank begehrt, man aber weder die Touri-Meile Friedrichstr./Oranienburger aufsuchen noch zum Döner greifen möchte, halte man sich beim Verlassen des Theaters links.  Über den Hinterhof im Souterrain befindet sich die Kantine, in der es bis Mitternacht deutsche Hausmannskost, Bier und eine Anzahl von offenen Weinen zu ausgesprochen schauspielerfreundlichen Preisen gibt.  Mittags gibt es 4 Gerichte zur Auswahl, eine Salatbar ist auch vorhanden.

Hier treffen sich Schauspieler, Orchester, Technik & der eine oder andere Zuschauer, der den Weg gefunden hat.  Besonders gemütlich ist die Einrichtung nicht, es ist halt eine Kantine.

Bei wärmeren Temperaturen kann man aber auch sehr nett im Hof sitzen, auf dem zur Zeit eine gigantisch große, kuschelige rosa Muschel steht.  Die würd’ ich gerne klauen.  Nur, wie?  Und wohin damit?