fleischerei / p’berg

June 22, 2009

im april dieses jahres öffnete die fleischerei auf der schönhauser allee ihre türen, direkt neben dem white trash.  seitdem hat die jeunesse der bezirke pberg & mitte nach dem rodeo und cookies & cream einen weiteren ober-hippen anlaufhafen, bei gehobener küche – irgendwann hat man immernurcurrywurst vorm feiern wohl satt – ihre berliner pony-frisuren (die damen) und endzwanziger-vollbärte sowie extrem schlecht sitzende jeans (die herren) vorzuführen.  zahlreiche vertreter dieser gattung waren auch am vergangenen samstagabend erschienen & hatten so gut wie alle tische besetzt.

der unbehandelte boden und die leicht angeramscht wirkenden decken des restaurants zeugen von der vergangenheit, als hier in der fleischerei epler allerlei wurstiges und fleischiges verkloppt wurde;  mit 2 fetten kristalllüstern, großen spiegeln und weißen tischen & bänken wurde der laden umgestylt und vermittelt mit einer halb-einsehbaren küche (auf unserer seite waren leider die jalousien heruntergelassen!?) den eindruck von gelassener transparenz.

leider transpirieren auch die sanitären einrichtungen ein wenig im hinteren bereich des restaurants, in dem sich unser tisch befand.  nach einer weile riecht man das nicht mehr – schade ist es trotzdem, beim essen wird man nicht gerne an die folgen desselben erinnert.

das thema wurst & fleisch wird übrigens nur teilweise weitergeführt, außer der rubrik “fleischereien” findet sich bei den vorspeisen und hauptgerichten auch viel grünes und meeresgetier.

unser kellner, ein junger mann in einer beeindruckend schlecht sitzenden hose brachte flugs speisekarte (eine für 4), flasche wasser und brot mit 3 töpfchen – senf-aufstrich, griebenschmalz, pesto (könnte petersilie gewesen sein).  diese waren alle vortrefflich und schnell verzehrt.  schon auf der im internet veröffentlichten speisekarte hatte mich das rinderfilet-tartar mit weissem sesam & schnittlauch, zuckerschoten, sesam-vinaigrette & erdbeeren im bierteig angelächelt;  dieses landete gleich bei dreien von uns auf dem teller.

und es war… hinreißend gut.  die fleischqualität fantastisch, die sesam-vinaigrette mit der leicht scharfen schnittlauch-note abgerundet wunderbar aromatisch, ohne das fleisch zu erschlagen,  die zuckerschoten waren knackig, die erdbeeren im bierteig waren… auf den ersten bissen ein wenig desserthaft.  alles miteinander kombiniert startete jedoch spontan eine regelrechte geschmacks-party im mund.  wir waren begeistert & voller neugier auf die hauptgänge.

leider fanden sowohl geschmacksparty als auch regelmäßige wein- und wasserversorgung ein viel zu frühes ende.

sowohl zur vorspeise als auch zu den hauptgängen hatten wir verschiedene weine von der relativ großen liste offener weine bestellt, einige auch auf empfehlung des jungen mannes, der allerdings innerhalb kurzer zeit von seinen etwa 5 weiteren tischen völlig überfordert war.  beim gang an die theke, die ich schließlich zwecks ‘wo-bleibt-der-wein’-nachforschung aufgesucht hatte, erfuhr ich dann vom besitzer, daß der junge mann heute den ersten abend im lokal arbeite.  muß man neues personal ausgerechnet an einem samstagabend einarbeiten?  bad idea, finde ich – zumal die beiden anderen service-kräfte den rest des ladens gut im griff zu haben schienen.

als hauptgericht wurden 3 gerichte aus der “fleischereien”-rubrik gewählt, von der ich nicht weiß, ob sie zur standardkarte gehört oder änderungen unterworfen ist.  in jedem fall war m. E. davon auszugehen, daß es sich hier um spezialitäten des gleichnamigen restaurants handeln würde.  ich entschied mich für berliner leber mit röstzwiebeln, apfelscheiben und knoblauchbrot, wobei ich allerdings darum bat, das knofi-brot durch kartoffelpü zu ersetzen.  knofi-brot!  mit berliner leber!!  wo kommwa denn da hin?  kein problem, meint der kellner.  darüberhinaus gabs himmel un ääd – das ist bloodwoosch met apfelkompott und kartoffelpü – für die, die’s nicht wissen sowie spanferkelbraten mit weissbiersoße an champagnerkraut & noch mehr ‘pü.

der vierte im bunde wählte von der hauptspeisen-karte gebratene rosmarin-wildtaube an himbeerjus mit basilikum-bauchspeck-risotto & sautierten chicoreestreifen. die taube hatte auch mich angelacht, aber nein, es mußte ja unbedingt leber sein.

die viel zu durch war.  leider.  nicht zäh wie schuhsohle, aber grau.  schade.  die röstzwiebeln waren röstzwiebelstroh, die äpfel pochiert & sehr aromatisch, das ‘pü in ordnung.  die leber nicht.  wenn der kellner innerhalb der nächsten 5-10 minuten in reichweite bzw. ansprechbar gewesen wäre, hätte ich sie vermutlich zurückgehen lassen;  so aber wollte ich den anderen dann auch nicht nur beim essen zuschauen und vernichtete sie dann – sie, die ich lieber innen rosig & zart genossen hätte.  ach ja.

die blutwurst war in ordnung, aber uninteressant;  der spanferkelbraten hätte die zeit, die die leber zuviel abbekommen hatte, mindestens gebraucht, um nicht mehr halb-roh zu sein, die kruste kriegt man anderswo auch durchaus knuspriger hin.

einzig die taube ließe sich noch hervorheben, obwohl hier das risotto wiederum länger im topf hätte verweilen dürfen.

die rechnung lag am ende bei 4 personen um die 200 euro, was trotz des hart erkämpften weinkonsums doch erheblich über dem lag, was mir der abend wert gewesen wäre.  auch, daß mir für das kartoffelpü 2.50 € extra berechnet wurden, fand ich ein bißchen schofel – wenn das die hauspolitik ist, wüßte ich das gerne vorher.

abschließend muß ich feststellen, daß es mich trotz des wahn.sin.nig hippen dekos und dem schicken publikum in der näheren zukunft nicht wieder herlocken wird.  soviel das transzendentale tatar auch verheißen hatte, so wenig konnte der rest des abend überzeugen.

sicher, man sollte ein restaurant nicht aufgrund eines einmaligen besuchs bewerten.  immerhin gibt es die fleischerei erst seit etwas über 2 monaten.  vielleicht spielt sich der service noch besser ein, hoffentlich gibt es auch in der küche in zukunft weniger schwankungen.

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8 Responses to “fleischerei / p’berg”

  1. Valmont Says:

    Ach ach, die Fleischerei. Ich habe es bei meinem Besuch dort ähnlich empfunden.

    Klar, ich gehöre zu den hoffnungslos altmodischen Menschen, die ein Restaurant in erster Linie wegen einer möglichst vorteilhaften Küchenleistung aufsuchen. Die Mit-Gäste sind mir weitgehend egal – in der Fleischerei fand ich die Mischung aus den von bunny so trefflich beschriebenen Mitte-Slackern und aus Hip-Restaurant-Nomaden allerdings von besonders klebriger Unerträglichkeit, zumal es in der Fleischerei Pflicht zu sein scheint, in der Lautstärke und dem Intonationsmodus von Fußballplatz-Vorsängern zu kommunizieren. Immerhin, jetzt weiß ich’s: Benimm-Kurse sind total angesagt, ohne geht gar nicht, und irgendwie ist’s schon hilfreich für die Karriere, irgendwie, wenn man einen Hummer zu zerlegen weiß. Ist das so, echt? Vor der Beförderung in der Wichtigwichtig-Internetagentur wird man beim Chef zum Essen eingeladen, und muss dann unter kritischen Blicken fachgerecht Hummer zerlegen, Grünschalmuscheln öffnen, Seeigel auspulen?? In welcher Welt leben wir eigentlich? Außerdem soll elitepartner.de auch gut sein, irgendwie. Ich vermute mal, dort findet man ein adäquates Gegenüber, das ebenso gequält, ebenso verkrampft, ebenso kleinstbürgerlich und von verpassten Aufstiegschancen zerschreddert ist wie meine Nachbarin in der “Fleischerei”.

    Ich schweife ab.

    Das Essen fand ich schwach, die Gurkensuppe war ein fades, ödes, ungesalzenes, anämisches Nichts, und für das, was als “Himmel unn Ääd” serviert wurde, hätte man den Koch im Rheinland an den cojones an der Brauhaus-Decke aufgehängt. Ja, gut, die Wurst kam von einer Fleischerei am Richardplatz, dessen Besitzer von irgendeinem Lobby-Verein dekoriert worden ist – aber deswegen muss ich doch diese seltsam überwürzte, suppige dunkle Masse nicht gleich gut finden, oder?

    Service: ebenso niedlich wie bemüht, dabei wirklich freundlich und absolut kenntnisfrei.

  2. bunnyberlin Says:

    hipness is mir (nicht nur) beim essen sowas von egal, dafür bin ich vermutlich auch zu alt.

    ABER: bei einem beförderungsgespräch, zu dem hummer, seeigel & grünschalmuscheln serviert werden — da wär ich sofort dabei ‘-D.

  3. eichiberlin Says:

    Madame sind sehr, sehr streng.
    Erdbeeren im Bierteig….hmmmmmmmmmm!!

  4. bunnyberlin Says:

    nicht streng. nur schwer unbeeindruckt — die erdbeeren sind ja gut wech gekommen. aber der rest…. och nö.

  5. bunnyberlin Says:

    ps: Dein heutiger dinner-partner scheint das offenbar genauso zu sehen ‘-)

  6. Valmont Says:

    Kann man denn nirgendwo unerkannt herumposten? Ein Elend ist das. Ein Elend.

    Wo Du das Dinner ansprichst: Bei Wu wurde ausgesprochen amtlich gespeist. Bekommt man in anderen Speisegaststätten bestenfalls einen GrappaAuffeHausse, so wurden wir dort mit einem Gratis-Wein im Gegenwert des Bruttoinlandsproduktes von Togo beschenkt. Unfassbar.

  7. bunnyberlin Says:

    och, nicht gleich weinen. ich sags auch nicht weiter ‘-P

    bei wu sind eichi und ich auch mal bis mitternacht hängengeblieben & haben traumhafte rieslinge verkostet. auch aufs haus. der mann ruiniert sich ja!

    trotzdem trinken wir gerne mit.

    (das bessere essen gibt es aber im tian fu! demnächst auf diesem blog…)

  8. 6kraska6 Says:

    Zwischen Transpiration und Transparenz: Was noch mal genau ist “Transzendentales Tartar”? – fragt sich der gelernte Transzendentalphilosoph und Transatlantiksegler: Kraska

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