wd-50 / nyc

November 30, 2008

Anläßlich eines Winter-Wochenendes in der (neben Berlin) tollsten Stadt der Welt hatten wir die Gelegenheit, im wd-50 einzukehren.  Der Besitzer und Chefkoch Wylie Dufresne ist ein weiterer Adrià-Jünger, der sich seit April 2003 mit viel Spaß & Kreativität in seinem ersten eigenen Restaurant austobt – nach Besuch des CIA (nicht die finsteren Herren in Trenchcoats, sondern das Culinary Institute of America) sowie ersten Schritten bei Jean-Georges & Clinton Fresh Food.

Passend zur Lower East Side & Wylie’s geradezu knabenhaftem Alter (38) ist das Interieur unaufgeregt, vom Eingang aus geht es an einer Bar vorbei in das etwas dunkle Restaurant.  Das Publikum ist jung, schön und unterhält sich angeregt.

Die Karte ist umfangreich, alles klingt interessant, die Entscheidung fäll schwer – zumal der Patissier für seine Dessert-Degustationen bekannt ist (viele gehen eigens dafür hin), aber ich bin doch eher ein ‘savory kinda gal’, und so fiel die Wahl schließlich auf das 9-gängige Degustationsmenü ($140).  Es gibt dazu eine Weinbegleitung ($75), wir entschieden uns aber für das geniale Dezember-Special:  auf alle (!) Flaschen 50% Rabatt.  Dank der Rezession ist dieses Angebot übrigens bis einschließlich Februar gültig.

Aufgrund dieser sagenhaften Gelegenheit haben wir dann auch 3 Weine bestellt, die unter anderen Umständen nicht in Frage gekommen wären – ein wunderbarer Albarinho, ein Sangiovese und ein Bordeaux, genaueres habe ich leider nicht notiert.

Das sog. “amuse gueule” war interessanterweise auf der Karte angeführt, was mir so noch nicht untergekommen ist.  Ich kenne Grüße aus der Küche als Dreingabe zum Menü.  Na, seis drum.

Es bestand aus Hummerbeinfleisch, das in Nudelform zusammen mit getrockneten Kirschen in einer Serrano-Emulsion schwamm.  Ausgesprochen lecker, wenn auch winzig.

Als nächstes war ein “everything” Bagel mit Räucherlachsfäden & knusprigem cream cheese angekündigt.  Der Bagel war winzig, mit Mini-Ringelchen von Roter Zwiebel, den Lachs’fäden’ und einem weißchen Scheibchen (der Käse).  Doch ach – der Bagel war in Wirklichkeit Bagel-Eis, und in Kombination schmeckte alles wunderbar.  Auch wenn es in ca. 5 Sekunden vom Teller verschwunden war.

Dann folgte ein daumendickes Rädchen Foie Gras – laut Karte mit Maracuja und chinesischem Sellerie.

Der chinesische Sellerie befand sich in Financier-Krümelchen auf dem Teller, also quasi in Gebäckform, die Maracuja war nirgends zu finden.  Bis wir ins Zentrum der Foie Gras vordrangen, aus dem sich die Maracuja in flüssiger Form auf den Teller ergoß.  Mmmmmm.  Bei Foie Gras kann man eigentlich nix falsch machen, aber das war einfach grandios.

Mein Mann war recht begeistert von der wd-50 Version von Eggs Benedict:  in diesem Fall ein vermutlich tausend Stunden lang gaaaaanz sachte pochiertes Eigelb, das von fast geléehafter Konsistenz war, dazu knuspriger Speck & frittierte Hollandaise.  Jawoll.  Hollandaise in Frittierbatzenform.  War mir alles in allem zu mumpfig vom Geschmack her.

Wunderbar war auch die Taubenbrust mit Butternut Squash-Nudeln, gelierter Cream Soda (das ist ein hiesiges, ganz, ganz widerliches Zuckerbrausedosengetränk, pfui spinne – paßte aber perfekt) und knusprigem Carob; der Ricotta mit Kapern (!), Thymian und gefrorenen Honigfäden sowie als letzter Gang ein Concord-Trauben-Sorbet mit einer schwarzen Sesamhülle und knusprigem Schokoladengel, welches natürlich in Form einer Traube serviert wurde.

Anfangs hatten wir die Befürchtung, hungrig nach Hause zu gehen, dies war aber nach 9 Gängen nicht der Fall.  Wir waren im Gegenteil derart gesättigt, daß wir tatsächlich nach Hause gegangen sind – immerhin eine ganz schöne Ecke bis zur E. 12th St.

Alles in allem war es ein schöner Abend – mir macht die spielerische Art, mit Zutaten umzugehen & sowie ungewohnte Kombinationen zu probieren viel Spaß.  Auch die Weinaktion war eine prima Gelegenheit.  Andererseits stellt man sich angesichts einer Rechnung im höheren 3-stelligen Bereich (man bedenke, daß in NYC ein Trinkgeld von 20% erwartet wird) schon so allerlei Fragen.  Es gibt gerade in New York so viele Restaurants, die fantastisches Essen zu erschwinglicheren Preisen anbieten, man denke alleine an das kulinarische Paradies Chinatown, oder auch die vielen ethnischen Enklaven in Queens.

So muß ich dann auch abschließend feststellen:  den Foie Gras-Gang werde ich zwar so bald nicht vergessen, aber süchtig bin ich nach einfacheren (?) Genüssen =  Ma Po Tofu, Yo Tsai und Hot & Spicy Pork bei Chopstick Express.  Das muß ich mindestens einmal pro Woche haben.

Obwohl…. Momofuku Ssam Bar würd ich dann doch ganz gerne noch mal —-  :-D

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