wegmans — the mother of all supermarkets

November 18, 2008

Im Jahre 1 nach meiner herzensbedingten Immigration in die USA hatte ich mich schon damit abgefunden, meine Vorliebe für gutes Brot, französischen Käse & überhaupt allerlei, was über die hiesige Lebensmittel”kultur” hinausgeht (ich nenne hier nur beispielhaft das wattige ‘Wonderbread’ oder American ‘cheese’ – diese warnschild-gelben Quadrate, die man in Deutschland als Scheibletten kennt und nur bedingt dem Käseartigen zurechnen sollte) während der Sommeraufenthalte in der Zivilisation (= Berlin) ausleben zu müssen… ich träumte nachts von Vollkornbrot & Pumpernickel, St. André und Taleggio, um mich bei Tage verbittert durch das vorhandene Nahrungsangebot zu schleppen.

Im Spätherbst 2002 ging jedoch ein Flüstern, ein Raunen durch den Ort, daß demnächst die Eröffnung eines “Gourmet”-Supermarktes bevorstünde.  Ich erfuhr zum ersten Mal bei einer Pokerrunde davon und konnte mich einer gewissen Vorfreude nicht erwehren.

Die Rede war von Wegmans, einer aus dem Staate New York stammenden Supermarkt-Kette, für die sämtliche Orte, die eine Filiale haben (bisher ausschließlich Nordost- sowie Mid Atlantic-Staaten), vom Rest des Landes beneidet werden.  Und das zu Recht:

Wegmans hat eine eigene Bäckerei, wo wir bis vor kurzem noch unser Brot (ein sehr gutes, knuspriges Mehrkornbrot) gekauft haben, aber jetzt gibts ja Gemelli’s Bakery.  Die Patisserie dort stellt eigene Trüffel, Petit Fours, Kuchen und Torten her, es gibt Crème Brûlée und Ganache;  mein Mann ist ein großer Freund des Muffin-Angebotes:  Pistachio, Pumpkin-Chocolate Chip, Lemon-Poppyseed… da kann ich nur froh sein, daß ich diesen Dingen gut widerstehen kann.

Anders verhält es sich freilich an der Käsetheke, an der wenige Wünsche offenbleiben.   Ob heimische Sorten wie z. B. der kalifornische, hochprämierte Humboldt Fog, ein Ziegenweichkäse mit Asche, oder Klassiker wie Epoisses, Manchego, Gruyere, Gorgonzola, Taleggio – alles da.  Sogar Crème Fraîche und Quark kann man dort erwerben, allerdings zu vergleichsweise unverschämten Preisen.

Gegenüber der Käsetheke befindet sich eine lange Oliven- und Antipasti-Bar, mit 5 verschiedenen Sorten Hummus und ca. 15 verschieden eingelegten Sorten Oliven.

Die Fischtheke ist mein zweitliebster Ort nach der Käsetheke.  Der Fisch ist immer frisch, die Beratung wunderbar & die Preise unschlagbar (Jakobsmuscheln für manchmal nur $9.99/Pfund – davon kann ich in Berlin nur träumen).  Es gibt, abgesehen von dem sehr guten Fischsortiment, diverse Muscheln,  Austern, Krabben, frischen Hummer,  Tintenfisch, Krebs….

Neben der Obst- und Gemüseabteilung ist der große “Organic Market”, wo man von der Sojamilch (pfui Teufel) über Makeup und Bio-Kartoffelchips bis zur Hühnerbrühe von freilaufenden Hühnern alles finden kann, was gesund und ökologisch korrekt ist.  Ich suche da allerdings eher selten ‘-)

Was über das schon recht umfangreiche Angebot des Supermarktes hinausgeht, ist allerdings die Abteilung ‘prepared foods’:

Hier gibt es eine eigene Sushi-Theke, an der man neben dem bereits ausliegenden Angebot Bestellungen aufgeben kann (gut,  es ist und bleibt Supermarkt-Sushi, aber immerhin.  Mr. Hai kann ich mir ja leider, leider, nicht hierhin beamen), gegenüber davon steht seit kurzem eine lange Theke mit einer Salatbar & diversen warmen Gerichten.  Daneben gibt es eine recht umfangreiche “Wokery”-Theke, also allerlei chinesisch und thai-angehauchtes.  Darüberhinaus gibt es die üblichen Verdächtigen wie Subs, Pizza & Chicken Wings zum dort essen oder mitnehmen; viele kommen zum Mittagessen hierher, wir manchmal freitags zum fish fry.

Auch wer abends zu faul zum Kochen ist, muß nicht verhungern, sondern kann sich hier eine von meist 5 Suppen mitnehmen, außerdem gibts Nudelgerichte, Salate, Fisch- und Fleischgerichte sowie in praktischen Portionen bereitstehende Beilagen wie sautierten Spargel mit Pinienkernen, glasierte Karotten oder Kartoffelpü.

Wir sind große Freunde des ebenfalls erhältlichen frischen Pizzateiges, den man zuhause nur etwa 1 Stunde schön aufgehen lassen muss, um ihn sodann auszurollen, mit (gekaufter oder selbstgemachter) Pizzasauce & den bevorzugten Zutaten & Käsen zu belegen & auf dem Pizzastein schön knusprig zu backen.  Das reicht meist für 4 Personen, kost’ nur $5.99 und schmeckt besser als jeder Bringservice.

Natürlich gibt es eine auch eine internationale Ecke, die neben einer umfangreichen kosheren Abteilung, südamerikanischen und indischen Spezialitâten auch ein deutsches Regal hat – mit leider nicht überragendem Vollkornbrot, Dr. Oetker-Puddingmischungen, Tchibo Kaffee (!) und immerhin Kühne Rotkohl, Sauerkraut und Gewürzgurken, die hiesigen sind mir zu dill-lastig.

Da wir hier täglich einkaufen gehen (was für Amis recht untypisch ist), die normalerweise wochen- bzw. monatsweise einkaufen, kennen wir viele Mitarbeiter mit Namen.  Man probiert das eine oder andere, plaudert über dies und das & fühlt sich ein klitzekleines bißchen wie im Kiez.  Naja, ein ganz, ganz klitzekleines bißchen wenigstens.

Tags:

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: