bandol / mitte

October 06, 2009

Dieses von allen Seiten hochgepriesene Lokal wollten wir auch endlich mal kennenlernen – ein Anlaß war schnell gefunden & ein Tisch für die Spätschicht an einem Dienstag reserviert.

Zunächst rannten wir prompt am Laden vorbei, weil eine interessante Seilkonstruktion am Haus auf der gegenüberliegenen Seite unseren Blick im entscheidenden Moment abgelenkt hatte… am Rosenthaler Platz hieß es daher also wieder zurück das Ganze.

Die Front des Lokals mit Plaste-Vorhängen erinnert stark an New Yorker Delis – bis auf die fehlenden Zeitungen, Blumen und Früchte.  Stattdessen frieren, essen und trinken hier die Raucher unter Heizpilzen (sind die nicht verboten mittlerweile?).

Drinnen befinden sich Gastraum und offene Küche.   Die klapprige Angelina Jolie kann man sich hier schon eher vorstellen als Brad Pitt, denn der Gastraum ist ziemlich klein & die Tische eng gestellt.  Andererseits müßte sie ja dann hier essen, was sich negativ auf ihre anämischen Reize auswirken würde.

Dem Kommentar, ländliche Küche käme hier besonders “leicht” daher, kann ich mich nämlich nicht wirklich anschließen.

Ich hatte als einzige am Tisch eine Vorspeise geordert, Weinbergschnecken mit Kalbskopf und Haselnüssen.  Die Popecken hatte man schon obdachlos gemacht und so schwammen sie fröhlich in sehr viel Kräuterbutter, nebst besagten Kalbskopfwürfeln (die hauptsächlich aus Fett bestanden) und den Nüssen.  Es schmeckte gut, war aber so mächtig, daß mir meine 4 Begleiter zur Hand (zum Mund?) gehen mußten, ansonsten hätte ich mir das Hauptgericht schenken können.

Andererseits dauerte es immerhin geschlagene 1.5 Stunden, bis die Hauptgerichte auf dem Tisch standen – eine lange Zeit, wenn man keine Vorpeise bestellt hat.

Die Hauptgerichte waren allesamt gelungen – das Entrecôte & das Kalbsrückensteak sehr saftig und zart, die Gemüse mit Biß;  die Kalbsnieren vielleicht ein bißchen sehr medium-rare;  mein Hirschkalb = Brust gebraten, Keule geschmort auf zweierlei von der Petersilienwurzel wunderbar.  Man geht allerdings recht freizügig mit Butter um, aber vielleicht gehört das in der modernen französischen Küche neuerdings wieder so…  für Nachtisch war jedenfalls beim besten Willen kein Platz.

Der erste Wein war ein Pinot Noir aus dem Elsaß, der zweite ein Côte du Rhones, beide ausgesprochen preiswert und eine gute Wahl; den zweiten Wein zu bestellen gestaltete sich leider etwas schwierig, womit ich auch zu einem wichtigen  (Kritik-)punkt komme – dem Service.

In einem solch zwergenhaften Raum minutenlang Augenkontakt mit der Kellnerin suchen zu müssen, die sich gerade glänzend mit dem gläserpolierenden… Gläserpolierer unterhält – der uns sehr wohl sah, aber fröhlich ignorierte –, oder den Köchen bei ihrer Arbeit zusieht, nervt einfach nur.

Ich bin schließlich selbst aufgestanden, habe die Weinkarte an den Tisch geholt & irgendwann kam dann auch die Kellnerin.

Außerdem will sich mir die Preispolitik bei den Vorspeisen nicht so recht erschließen – ein gemischter Salat mit Ziegenkäse kostet 12,50 Euro?  Genau soviel wie ein halbes Dutzend Austern?  Strange.

Trotz solidem Essen gibts für die Attitüde 2 Punkte Abzug.

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