pata negra / mitte

August 18, 2008

Die Meinungen zur Molekularküche gehen auseinander – während die Befürworter sich an der experimentellen Seite erfreuen, halten Gegner die diversen Schäumchen, Sphären und andere Stickstoffspielereien für einen verzichtbaren, kurzlebigen Trend.

Wie auch immer man hierzu stehen mag, ich persönlich hatte bis vor kurzem noch nicht das Vergnügen und fand mich daher neulich im Pata Negra wieder.

Einer ziemlich langwierigen Baustelle ist es unter anderem zu verdanken, daß das Pata Negra mittags zur Zeit nicht geöffnet ist;  als wir dort waren – zugegebenermaßen an einem Wochentag – war das Restaurant auch eher leer.  Die Aussicht aus dem Fenster bietet einem eine bedauerliche Bauzaun-Romantik, der Weg dorthin vom Hackeschen Markt ist ein staubiger.

Die Tische sind ein bißchen so eingedeckt, wie die Küche zu Beginn des ersten Poltergeist-Films aussah:  Gläser sind in schrägen Winkeln zu- und ineinander gestellt, das Besteck liegt scheinbar planlos auf den Tischen.

Wir entschieden uns – weil wir uns nicht entscheiden konnten ‘-) – für das 6-gängige Überraschungsmenü mit Weinbegleitung.

Als Gruß aus der Küche gab es Lollis aus weißer Schokolade mit grünen Oliven.  Während diese Präsentation natürlich in erster Linie das innere Kind anspricht, war diese interessante Kombination eine durchaus harmonische.

Die erste Vorspeise,  eine “Trilogie von Tomate”, bestand aus einem Löffel Tomatenkernsalat, welcher, mit etwas Olivenöl und Gewürzen angemacht, direkt vom Löffel geschlürft werden konnte, einer Tarte mit einem mir persönlich etwas zu desserthaften Blätterteig und einer Tomatencrème, die eher geschmacklich eher dezent war.

Highlight war hier das mit Abstand Un-tomatigste auf dem Teller, nämlich einige Scheiben Pata Negra Schinken, der seinen legendären Ruf unter Gourmets & damit wohl auch den saftigen Preis verdient.

Der hierzu kredenzte Verdejo war so lecker, daß ich ihn für den Rest des Abends hätte weitertrinken können.

Als nächstes folgte eine wirklich fantastische Spargelschaumsuppe mit Mandel – die Suppe war alles:  spargelig, schaumig, und im Abgang ausgesprochen mandelig = eine Superkombination, an der ich mich zur nächsten Spargelsaison selbst versuchen möchte.

Zu Jakobsmuscheln in einer Chips-Kruste auf Biersauce wurde ein Merlot Rosé gebracht, der nicht so mein Ding war – ich bin allerdings auch keine große Rosétrinkerin.  Stattdessen bekam ich einen Alvarinho, der mir auf Anhieb besser gefiel.  Der Rosé, den mein Mann behielt, gewann allerdings mit steigender Temperatur an Geschmack, mit ausgeprägten Vanillearomen, die sicher sehr gut zu den butterzarten Muscheln gepaßt hätten.

Der Fischgang (ein knuspriges Filet von der Gelbflossendorade auf einer Hippe mit lila Kartoffelpüree & Seetang) beinhaltete den schon in anderen Beiträgen mehrfach erwähnten Karottenkaviar – eine interessante Konsistenz-Spielerei, der ich allerdings zugegebenermaßen echten Forellenkaviar oder Karotten in konventionellerer Form vorziehe.

Zum wirklich sehr guten Hirschfilet mit gebratenem Kräutersaitling und schwarzen Linsen mit Sherry-Luft – die übrigens hervorragend zu den Linsen paßte, wurde ein wunderbarer… tja, und hier zeigt es sich, daß man mit den Beiträgen nicht allzu lange warten oder sich bessere Notizen machen sollte… Rotwein.  Ich kann mich beim besten Willen nicht dran erinnern, tippe aber auf Tempranillo. Kann man ja nix falsch machen ‘-)

Am Tisch wurde dann aus weißem Pfirsichmus mit Hilfe von Stickstoff ein fruchtiges Sorbet hingezaubert.  Der Rauch erinnerte mich ein wenig an Mittelstufenfêten, wo Trockeneis der allerletzte Schrei war.  Das waren noch Zeiten —

Den Service fand ich professionell und freundlich, steif eher nicht.

Die Baustelle sollte man also getrost durchschreiten und das Pata Negra aufsuchen.

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